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ISSN 1862-0450  |  92. Jahrg.  |  Freitag, der 3. September 2010

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Hartz IV: Hungerstreik 1. Tag

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BeitragVerfasst am: 31.03.2010, 13:50    Titel: Hartz IV: Hungerstreik 1. Tag

von Günter Melle - Es ist gerade an der Schwelle zum nächsten Tag und an der Zeit für den 1. Tag Hungerstreik Bilanz zu ziehen. Ganz dringlich scheint mir das Anliegen, dass Maritta - wie ich heute erfuhr - nicht nur erst seit unserer Streikankündigung hungert, sondern schon seit zwei Wochen außer Äpfel nicht mehr viel in den Magen bekommen hat.

http://Die-Rote-Fahne.eu/upicts/9_hungerstreikgruen_1.jpgSie, Gewerkschaftsmitglied bei ver.di, sieht sehr schlecht aus und wir brauchen alle Unterstützung, damit der Streik schnell beendet werden kann und sie mit ihrer Familie aus diesem Alptraum der Wohnungslosigkeit und des Hungers entlassen wird.
Damit keine Missverständnisse entstehen, wenn sie den Streik beenden würde, ohne dass unsere Forderungen realisiert wurden, hätte sie nichts zum satt werden (Butterwegge: über absolute Armut!!!)

Die Unterstützung von Seiten meiner Gewerkschaft kann alles andere als zufriedenstellend betrachtet werden. Mein Sekretär tut, was er kann, aber er tut eben nur, was er kann: die Emotionen können in dieser Mille-Gewerkschaft mit ihren schrägen vielfältigen parteipolitischen und materiellen Interessen schon auf der Strecke bleiben.
Sind Hauptamtliche Apparatschiks, die nur schwerlich über ihre Funktion hinweg schreiten können? Da wo andere bereits vor Empörung aufschreien, hören sie anscheinend nicht gut. Es ist seltsam, dass uns gerade aus der Hartz-IV Bevölkerung eine große Welle an Sympathie und Unterstützung erreicht, die darauf drängt, sich im Kampf um soziale Rechte zu organisieren.

Aus ihrer Reihe kommen die ermutigendsten Beiträge und es stellt sich die Frage, warum tut man sich so schwer bei der Organisierung dieser Ressourcen. Es empfiehlt sich, die Kommentare in unserem Blog durchzulesen und es schlägt einem die ganze Hartz IV - Landschaft entgegen:
Die systematische Verarmung der erwerbstätigen Massen.

Es ist weiterhin seltsam, dass sich Abgeordnete, die wir links gewählt haben, keinen Mucks von sich geben, dass Kollegen, die früher gekämpft haben, vom Geruch des angenehmen Lebens der Organisation angetan, nicht einmal mehr bereit sind mit ihren ausreichenden Mitteln des Apparats zur Mobilisierung beizutragen.

Was haben wir bloß falsch gemacht? Nichts! Ist unsere Art des Kampfes falsch? Nein, denn wir können nicht schlechter leben: unter uns gibt es viele, da ist jeder Tag ein Hungerstreik!
Ich denke, dass wir mit unserer Erklärung in ein Wespennest von schwarzgelbrosanem Filz stechen. Auch auf unserer Seite steht dann der Geruch von Gefahr und Zivilcourage ist eben nur ein Wort.
Nur ein Wort? Auch bei den Linken, kann Frau/Mann sich nicht des Eindrucks erwehren, heißt es: Rette sich wer kann. Westerwelle redet von spätrömischer Dekadenz: dazu fällt mir B.B's Coriolan ein, weitaus besser in der Dramaturgie und der Analyse einer Klassengesellschaft, die alle Merkmale des Untergangs trägt.

Was haben wir heute getan?
Vormittags: ab 9 Uhr Blog aktualisiert, nicht gefrühstückt, aber geraucht! Den Hund ausgeführt! Zwischen 11 Uhr und 12 Uhr habe ich mit meinem Sekretär über die Presseerklärung verhandelt.
In der ver.di Geschäftsstelle nachgesehen, ob emails und Post für die Beratung vorliegen. Post lag vor: Sie haben uns für eine Kollegin einen Einstellungsbescheid zugeschickt. Prost Mahlzeit, noch ein Fall wie wir.

Ab 14 Uhr in der Wohnungsloseninitiative. Dort wurde u.a. über unsere Erklärung diskutiert. Fazit: positiv.
Ab 17 Uhr wieder ver.di Geschäftsstelle. Wollte mit einem Kollegen die Aktion für Donnerstag vor der Kommunalen Arbeitsförderung vorbereiten. Überraschung: Telefon geht nicht! Gedanke: Absicht?

Weitere Gedanke: Nächste Woche wird mir das Telefon und Internet abgestellt, da ich es nicht mehr bezahlen kann. Genutzt wurde es hauptsächlich nur für meine "ehrenamtliche" Arbeit. Wir gehen zu mir, führen von dort die notwendigen Telefongespräche.

Knurrender Magen, viel Kaffee, Saft Wasser, etwas Brühe. Eine Stunde den Hund ausgeführt. Sein Futter reicht noch diese Woche. dann hungert auch er: Etwas für den Tierschutzverein. Kann mir die Schlagzeilen schon vorstellen. Ihr auch?

Um 18 Uhr Versammlung unserer Wohngemeinschaft. Der Student, der hier noch wohnt, hat mich mit Qult aus Freiburg bekannt gemacht, eine Rap-Gruppe, die mir schon bei der Demo zum Natogipfel in Kehl gut gefiel: Hartz IV-Leute, junge Leute, die sich so leicht nicht ihre Träume kaputt machen lassen.
Sie sind bereit auf der Demo, die wir für nächste Woche unter dem Motto: Wohnungslosigkeit, Hungerlöhne-Hungerleben, Weg mit Hartz IV, geplant haben.
Zum Ausklang dieses Arbeitstages statt Hymnen und guter Arbeit der Deutschtümelei ein Gedicht, das wir erhielten:

Parteienlandschaft Portrait
gründ ich mal eine Partei der Christen
füll sie auf mit pädophilen Sadisten
und eine Partei der Roten
mit sozialen Fachidioten
die Grünen misch ich ein wenig mit gelb
und schick sie dann um die ganze Welt
und wenn sie wieder vor mir stehn
lass ich sie nochmals `ne Runde dreh`n
treib sie und lass sie ordentlich schnaufen
und ihre eig`ne Kloake saufen.
Dann mal ich allen ein Parlament
hübsch bunt in schwarzrotgoldnen Farben.
Die Portas vergess ich
sperr sie hinein
versorg sie mit Kuchen, Geld und Wein,
sie sollen ihren Reichtum haben.
Sich aber nicht mehr am Elend laben.
Wenn's ihnen dann an Speisen fehlt.
Dann fressen sie eben das eigne Geld.
(©) Friedrich Hecker Coop

Für die, die etwas mutiger sind und sich nach französischem Elan oder italienischer Resistenza sehnen:

Wie können andere Menschen uns unterstützen?
Unterstützung wäre jetzt erstmal angesagt mit Protestmails und Faxe an die Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis, vielleicht auch Telefonanrufe an das Landratsamt Ortenaukreis unter:

Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis
Telefon 0781 805-9321
eMail: arbeitsfoerderung@ortenaukreis.de

und Landratsamt Ortenaukreis
Telefon: 0781 805-0

Dann wünschten wir uns natürlich für die geplanten Aktionen vor Ort, die auf unserem Blog angekündigt werden, Unterstützung von den Leuten die vor Ort mit uns solidarisch sind.
29.03.2010
 
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