Berlin (drf) - Nach einem Bericht des bürgerlichen Mediums „Der Spiegel“ unter Berufung auf den NATO-Abschlussbericht zum Massaker von Kunduz hatte die deutsche Einsatzleitung auf der Bombardierung der Tanklastzüge und des Areals am 04. September bestanden, obwohl es Bedenken seitens der US-Partner bezüglich vor Ort befindlicher Zivilisten gab.
RFTV: Bericht von Al Jazeera über die Opfer des NATO-Massakers vor Ort bei Kundus, Afghanistan vom 04.09.2009
Dem Bericht zufolge lehnte der deutsche Oberst Georg Klein jegliche Vorwarnung vor dem Bombardement ab. Vorschläge der US-Luftwaffe, den zahlreichen Menschen, die sich in der Nähe der Tanklastzüge aufhielten, mit Tiefflügen als Drohgebärden Gelegenheit zur Flucht zu geben, habe er abgelehnt. Und zwar gleich fünfmal.
„Negativ. Das Ziel soll angegriffen werden“, seien die Worte der deutschen Einsatzleitung gewesen.
Zudem hatte Oberst Georg Klein laut NATO-Bericht die Besatzung des F-15-Jagdbombers aufgefordert, sechs Bomben abzuwerfen, obwohl ihn die Flieger darauf hingewiesen hatten, dass nur zwei Bomben nötig seien.
Bei dem Massaker kamen selbst nach NATO-Angaben bis zu 142 Menschen ums Leben. Bereits am Tag des NATO-Massakers berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera unter Berufung auf Lokale Quellen von bis zu 150 Toten, darunter fast ausschliesslich Zivilisten.
Informationen über den Luftangriff wurden womöglich auch dem Auswärtigen Amt vorenthalten. Diese Frage müsse vom Untersuchungsausschuss geklärt werden, sagte der damalige Aussenminister und heutige SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (SPD) der Welt am Sonntag.
Steinmeier verwies darauf, dass dem Auswärtigen Amt der Feldjägerbericht zum Hergang des Angriffs erst am 27.November zugestellt worden sei.
Der Untersuchungsausschuss habe auch zu klären,
„was das Kanzleramt wann wusste“. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wies den Versuch zurück, den Fall Kundus
„nahe ans Kanzleramt heranzurücken“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe nichts verschwiegen, sagte er in der Passauer Neuen Presse vom Samstag.
Als Untersuchungsgremium soll der Verteidigungsausschuss fungieren, der nicht öffentlich tagt. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin schloss daher nicht aus, zusätzlich einen regulären Ausschuss einzurichten.